DR. SIEGERT & PARTNER - IFRS7
Aschaffenburg - Schönbusch - Dörfchen
Ablösung des Bewertungsstandards IAS 39 durch IFRS 9

Im Zuge der Globalisierung wurden Bilanzierungsregeln erforderlich, die für international auf den Kapitalmärkten handelnde und sich finanzierende Unternehmen eine bessere Transparenz und Vergleichbarkeit bewirken sollten. Für die Bewertung von Finanzinstrumenten wurde Ende der 90er Jahre mit dem IAS 39 „Finanzinstrumente“ ein internationaler Standard verabschiedet. Die Finanzinstrumente werden einer von 4 Bewertungskategorien (at fair value through profit or loss, available for sale, held to maturity, loans and receivables) zugeordnet, die die Bewertungsmethode (amortised cost (fortgeführte Anschaffungskosten) oder fair value (beizulegender Zeitwert)) bestimmt. Es gibt Wahlrechte für die Zuordnung zu den Kategorien und komplexe Regeln für die Bilanzierung der Sicherungsbeziehungen (Hedge Accounting) und eingebetteter Derivate.

Die prozyklisch und damit krisenverschärfend wirkende Fair Value-Bewertung und die als zu komplex und implementierungsaufwändig empfundenen Regelungen führten zu einer Überarbeitung und zukünftigen Ablösung des Standards. Seit 2009 wird der IAS 39 in mehreren Phasen in den neuen Standard IFRS 9 überführt. Die erste Phase „Klassifizierung und Bewertung“ wurde im Oktober 2010 veröffentlicht und soll, ebenso wie die weiteren Teile „Wertminderungen“ (Impairment) und „Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen“ (Hedge Accounting), die noch in der Bearbeitung sind, zum 1.1.2015 erstmals angewendet werden.

Hier soll zunächst nur der erste Teil „Klassifizierung und Bewertung“ kurz dargestellt werden.

Klassifizierung und Bewertung:

Künftig erfolgt die Einordnung nur nach den beiden Kategorien des Geschäftsmodells: Halte- oder Handelsstrategie.

Die Klassifizierung einer Transaktion im Rahmen der Geschäftserfassung führt zu ihrer Zuordnung zu einer bestimmten Bewertungskategorie und beeinflusst somit Wert und Position in der Bilanz und Erfolgsrechnung. Eine Verknüpfung des Rechnungswesens, des bankaufsichtlichen Meldewesens und des Risikomanagements erscheint wegen dieser gesamtbankbezogenen Sichtweise auch von IT-Seite notwendig für eine effiziente Erfüllung der (internen und externen) Reportinganforderungen.

Aufsichtsrecht (Basel III, MaRisk), Meldewesen und internationale Rechnungslegung laufen zusammen:
die Wechselbeziehungen zwischen Geschäftsmodell, der damit verbundenen Geschäfts- und Risikostrategie und den darauf anzuwendenden Eigenmittelanforderungen und Risikokennzahlen (Leverage Ratio und Liquiditätskennziffern) bestimmen auch die Klassifizierung der Finanzinstrumente.

Klassifizierung nach Geschäftsmodell


Quelle: Deloitte und Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (www.deloitte.de)


Für Vermögenswerte gilt:
Die Erstbewertung erfolgt zum Fair Value unter Berücksichtigung von Transaktionskosten.
Die Folgebewertung erfolgt abhängig von der Zuordnung des Finanzinstruments zum Geschäftsmodell (Halte- oder Handelsstrategie) und der Eigenschaften der vertraglichen Zahlungsströme.
1. Haltestrategie: Dient das Halten des Finanzinstruments der Vereinnahmung vertraglicher Zahlungen und sind diese ausschließlich Zinsen und Tilgung auf ausstehendes Kapital zu festgelegten Zeitpunkten, wird zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet.
2. Eine Designation zur Bewertung zum Fair Value ist als Ausnahme möglich, wenn dadurch Inkongruenzen bei der Bewertung oder beim Ansatz („Accounting Mismatch“) verringert werden.
3. Alle anderen Vermögenswerte (u.a. Derivate, Eigenkapitalinstrumente) werden mit dem Fair Value bewertet.
Eine Umklassifizierung ist nur noch möglich bzw. zwingend erforderlich, wenn sich das Geschäftsmodell ändert.
4. Es gibt ein Wahlrecht beim erstmaligen Ansatz für Anlagen in Eigenkapitalinstrumenten, die nicht zu Handelszwecken gehalten werden: Option zur Bewertung „at Fair Value through Other Comprehensive Income“ (OCI)

Für Verbindlichkeiten wird das Bilanzierungsmodell des IAS 39 beibehalten:
Derivate und zu Handelszwecken gehaltene Verbindlichkeiten werden zum Fair Value bilanziert, alle anderen zu fortgeführten Anschaffungskosten. Es gibt zusätzlich die Möglichkeit einer Fair Value Option, d.h. beim erstmaligen Ansatz kann eine finanzielle Verbindlichkeit zum Fair Value designiert werden. Neu in IFRS 9 ist, dass beim Fair Value-Ansatz Wertänderungen, die auf Veränderungen des eigenen Kreditrisikos gründen, abgespalten und im „Sonstigen Ergebnis“ (OCI) zu erfassen sind. Bei eingebetteten Derivaten ist zu prüfen, ob sie vom Basisvertrag getrennt werden können. In diesem Fall sind sie abgetrennt zum Fair Value zu bewerten.

Ermittlung des Fair Value nach IFRS 13
Wie der Fair Value zu ermitteln ist, wird im Standard IFRS13 festgelegt. Der beizulegende Zeitwert ist definiert als der Preis, den ein Unternehmen am Bewertungsstichtag beim Verkauf eines Vermögenswertes erhält oder bei der Übertragung einer Verbindlichkeit entrichten muss.
Für die Bewertung werden 3 Verfahren genannt, die abhängig vom sachgerechten Umstand und der Verfügbarkeit von Inputfaktoren angewendet werden.
• marktbasierter Ansatz (Marktpreis)
• kostenbasierter Ansatz (Wiederbeschaffungskosten)
• einkommensbasierter Ansatz (Barwert zukünftiger Beträge)

Je nach Verfügbarkeit gilt eine dreistufige Qualitäts-Hierarchie für Inputfaktoren:
1. Ein beobachtbarer Preis an einem aktiven Markt für identische Vermögenswerte/Schulden.
2. Eine Preisermittlung mit beobachtbaren Inputfaktoren, z.B. Preisnotierungen, die sich auf ähnliche Vermögenswerte/Schulden (oder für identische auf inaktiven Märkten) beziehen.
3. Eine Preisermittlung mit nicht beobachtbaren Inputfaktoren, die vom Unternehmen daher aufgrund seiner Informationen und unter Offenlegung von Annahmen selbst entwickelt werden (z.B. über theoretische Modelle, selbst errechnete Zinskurven, Korrelationen)