DR. SIEGERT & PARTNER - CDS-Verbot notwendig?
Aschaffenburg - Schönbusch - Dörfchen
Es stimmt nicht!

In seiner täglichen Kolumne im Handelsblatt „Stimmt es, dass …“ hat sich Norbert Häring am 30.10.12 Credit Default Swaps (CDS) vorgenommen und bejaht seine Frage, ob sie verboten gehören. Nach seiner Meinung dienen sie nur zur Marktmanipulation, Spekulation und Vermeidung von Regulierung. Für Absicherungszwecke brauche man „börsengehandelte Finanzprodukte“ nicht.

Diese plakativen bzw. platten Aussagen können nicht unwidersprochen bleiben.

1. Aussage: bei CDS handele es sich um börsengehandeltes Finanzprodukt
CDS sind (noch) nicht börsengehandelt, sondern werden OTC (= Over the Counter) gehandelt (siehe »OTC Derivative Statistics der Bank for International Settlement) . Erst mit Verabschiedung der neuen Richtlinie EMIR (European Market Infrastructure Regulation) sollen OTC-Derivate über zentrale Kontrahenten (wie z.B. Börsen) abgewickelt und an ein Transaktionsregister gemeldet werden. Die europäische Bankaufsichtsbehörde EBA hat am 26. September 2012 einen Entwurf zu einem technischen Standard dazu übernommen (»Draft Regulatory Technical Standards on Capital Requirements for Central Counterparties).

2. Aussage: eine Absicherung benötigt keine börsengehandelten Finanzprodukte
Der Autor bleibt die Antwort schuldig, welche Instrumente alternativ zu CDS in Frage kämen, um das Kreditausfallrisiko einzuschränken.

3. Aussage: CDS dienten nur zur Marktmanipulation und Spekulation
Marktmanipulation und Spekulation kann es auch bei anderen (Finanz-)Produkten geben. Spekulation ist per se nichts Böses, anders ist Marktmanipulation zu beurteilen. Die Gefahr der Manipulation ist allerdings auf allen Märkten gegeben – hier hilft nur eine starke Aufsicht, die über die Regeln wacht. Niemand käme auf die Idee den Hammer zu verbieten, weil man damit nicht nur Nägel einschlagen kann…

4. Aussage: CDS dienten zur Vermeidung von Regulation
Die Regulierung wird mit der Umsetzung von EMIR verstärkt. Das Transaktionsregister zeigt den Regulierern die Positionen von Emittenten und Haltern auf, wodurch mögliche Risiken sichtbar werden.