Aschaffenburg - Brauerei Schlappeseppel

Quersumme


Es gibt immer wieder Finanzprodukte und (quantitative) Aussagen zum Wirtschaftsgeschehen, die oftmals unverständlich sind – oder eine hohe Rendite versprechen und dabei die ebenfalls hohen Risiken verschweigen.

Unter der Rubrik "Quersumme" werden wir diese untersuchen und für am Wirtschaftsgeschehen interessierte nachvollziehbar darstellen. Die in den folgenden Beiträgen wiedergegebenen Meinungen sind aber keine Empfehlung für oder gegen eine bestimmte Anlage und ersetzen keine Anlageberatung.

August 2015
Negativer Zins
Die durch die Geldpolitik der EZB gesunkenen Zinsen sind im negativen Bereich gelandet. Was sind negative Zinsen, was ist das ungewöhnliche daran und wie wirken sie sich auf Staatsanleihen aus? Bei negativen Zinsen muss zwischen Nominalzins und Rendite unterschieden werden. Negative Renditen sind nichts Ungewöhnliches (siehe vorherigen Beitrag) - negative Nominalzinsen schon.
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[13.04.15]
Der große Bauspar-Bluff – Nichts Neues 
Im Handelsblatt-Beitrag vom 19.3.15 „Der große Bauspar-Bluff“  wird darauf hingewiesen und erklärt, dass Bausparer derzeit mit ihren Verträgen eine negative Rendite während der Ansparphase erzielen, d.h. das Guthaben am Ende der Ansparphase ist geringer als die Summe der Einzahlungen.

Der Grund liegt darin, dass die Vermittlungsprovision die derzeitigen Minizinsen für die Sparbeträge übersteigt. Die Sicherheit für bereits fixierte zukünftige Kreditzinsen als „emotionale Rendite“  dieser negativen Rendite gegenüberzustellen, kann allerdings auch nur einem Vertreter der Bausparbranche als Marketing-Gag einfallen.   In unserem Beitrag „Bausparvertrag vs. Kombination von Banksparplan und Hypothekenkredit“ haben wir den Nachweis der negativen Rendite bereits vor zwei Jahren erbracht.

Mit Hilfe von leicht nachvollziehbaren Kalkulationen haben wir gezeigt, wie diese negative Rendite zustande kommt. Demnach müsste in unserem Beispiel die „emotionale Rendite“ bei 0,28% liegen, um wenigstens die negative Rendite auszugleichen. Wer wissen will, wie stark die Kreditzinsen bis zur Inanspruchnahme eines Darlehens steigen müssen, damit sich ein Bausparvertrag trotzdem lohnt, findet in einer neuen Tabelle mit weiteren Eingabemöglichkeiten eine Entscheidungshilfe.

Das Problem einer negativen Rendite findet sich aber nicht nur bei Bausparverträgen, sondern grundsätzlich bei allen Anlageprodukten, die eine niedrige Verzinsung und eine hohe Vermittlungsprovision aufweisen. So wurde bspw. als Wiederanlage für eine fällige Lebensversicherung (75.000 €) ein Festgeldkonto mit Anlagezins von 0,1 % p.a. für eine Laufzeit von 3 Monaten angeboten. Die Vermittlungsprovision wurde mit 0,5 % der Anlagesumme angegeben. Diese Konditionen  führen zu einer Auszahlung nach 3 Monaten von 74.981,24 €, d.h. einem Verlust von 18,67 € und damit zu einer negativen Rendite  von -1,84 % (siehe Excel-Tabelle „negative Rendite“).

[22.01.14]
Baufinanzierung in der Praxis - über den Tisch gezogen
Ein junger Mann Anfang 40 will eine Eigentumswohnung kaufen und benötigt dazu ein Darlehen über 100.000 €. Dazu holt er von einem Finanzvermittler ein Angebot ein. Das Angebot umfasst ein endfälliges Sofortdarlehen einer Bank mit einem Sollzinssatz von 5,18% und einer Zinsbindungsfrist von 15 Jahren sowie einen Bausparvertrag, mit dem das Sofortdarlehen nach 15 Jahren abgelöst werden soll. Da er ein wenig misstrauisch ist, bittet er uns um eine zweite Meinung.

Wir haben uns das Angebot näher angeschaut und kamen zu folgendem Ergebnis:
Hätte der junge Mann das Angebot angenommen, hätte er 15 Jahre lang hohe Zinszahlungen (180 Raten à 430 €) und so niedrige Bausparbeiträge (180 Raten à 150 €) leisten müssen, dass nach den 15 Jahren erst ein knappes Drittel 27.300 €) der Bausparsumme erreicht worden wäre. Die geringen Bauspar-Zinsen (0,5 %) hätten nicht einmal die Abschlussgebühr und die jährlich anfallenden Gebühren kompensiert. Mit der angesparten Summe hätte nur ein geringer Teil des Darlehens abgelöst werden können und mehr als zwei Drittel des Darlehens (72.700 €) wäre weiter zu finanzieren gewesen. Selbst wenn der Bausparvertrag zugeteilt würde ohne die 50% Hürde erreicht zu haben, könnte der garantierte niedrige Zins (2,75 %) des Bauspardarlehens nicht zu einer schnellen Tilgung führen. Der junge Mann hätte mit weiteren 138 Raten à 610 € noch 11,5 Jahre abzahlen müssen und wäre nach insgesamt 26,5 Jahren erst mit 70 Jahren schuldenfrei, mit geleisteten Zinszahlungen, die fast die Höhe der Kreditsumme erreichen.

Wir haben ihm deshalb dringend geraten, Ausschau nach einem einzelnen und damit einfacheren Kreditprodukt zu halten, vorzugsweise einem Annuitätendarlehen. Diesen Rat hat er befolgt und von der einer anderen Bank ein Angebot erhalten, das wesentlich besser zu seiner Lebensplanung passt.

Das Annuitäten-Darlehen bietet einen Zins von 3,46 % und durch die Tilgungsanteile der Raten ist nach 15 Jahren die Kredithöhe der Anschlussfinanzierung auf die Hälfte des Betrages des Bauspardarlehens, nämlich 30.000 € geschrumpft. Für die Anschlussfinanzierung als Alternative zum zinsgünstigen Bauspardarlehen haben wir drei Szenarien gerechnet:
1. mit gleichbleibendem Zinssatz, d.h. das Zinsniveau hat sich in den 15 Jahren nicht verändert und der Zinssatz steht bei 3,46%;
2. mit verdoppeltem Zinssatz d.h. das Zinsniveau hat sich in den 15 Jahren verdoppelt und der Zinssatz steht bei 6,92%;
3. einem Zinssatz, der für die gleiche Laufzeit wie das Bauspardarlehen sorgt (11,5 Jahre).

Das Ergebnis überrascht ein wenig:
1. der gleichbleibende Zinssatz führt zu 54 Raten und damit zu einer Gesamtlaufzeit der Finanzierung von 19,5 Jahren;
2. der doppelte Zinssatz ergibt mit 60 Raten (= 5 Jahre) nur wenig länger und damit eine Gesamtlaufzeitvon 20 Jahren.
3. Der 3. Alternativ- Zinssatz liegt bei eher unrealistischen 21,7% für eine Restlaufzeit von 11,5 Jahren (= 138 Raten),

Als Endergebnis lässt sich festhalten, dass das Annuitäten-Darlehen günstiger ist als das Angebot des Finanzvermittlers, egal wie hoch der Zinssatz der Anschlussfinanzierung nach 15 Jahren ist.

Wenn Ihnen das unglaublich erscheint: zum Nachrechnen stellen wir »hier die von uns erstellte Excel-Datei zur Verfügung.

[17.12.13]
Immobilien - jetzt kaufen oder lieber warten?
Sowohl im Handelsblatt (»"Bloß nichts überstürzen" am 18.10.13) als auch in der FAZ (»"Sparen für das Dach über dem Kopf kann zum Albtraum werden" am 15.11.13) wird die Frage diskutiert, ob es günstiger sei, eine Immobilie zu den jetzt niedrigen Zinsen zu kaufen oder lieber etwas mehr vorher anzusparen und dann erst zu kaufen. Es ist auszurechnen und abzuwägen, ob ein zukünftig höheres Eigenkapital eventuell gestiegene Finanzierungszinsen und Immobilienpreise (über-)kompensiert.

Wie hoch dürfen die Immobilienpreise steigen, wie hoch darf der Kreditzins sein, wie wirken sich unterschiedliche Monatsraten aus? Das sind Fragestellungen und Szenarien, die Sie mit Hilfe der von uns erstellten Excel-Datei beantworten können. Sie kann »hier heruntergeladen werden.

[09.10.13]
Bausparvertrag vs. Kombination von Banksparplan und Hypothekenkredit
Unter der Rubrik "Die Vermögensfrage" stellt der Finanzanalytiker Volker Looman wöchentlich Beiträge zu Fragen der Finanzanlage vor. In seinem Beitrag vom 31.8.13 »"Bausparverträge stehen bei Privatleuten hoch im Kurs" geht es um die Beliebtheit von Bausparverträgen und deren Zweckmäßigkeit. An einem Beispiel stellt er dem Bausparvertrag als Alternative eine Kombination von Banksparplan und Hypothekenkredit gegenüber. Der Bausparvertrag bietet einen niedrigen Guthabenzins in der Sparphase, dafür aber die Sicherheit des zukünftig niedrigen Kreditzinses. Dagegen wird das Guthaben im Banksparplan besser verzinst, jedoch ist der zukünftige Kreditzins unsicher.

Damit die vorgestellte Kombination nicht schlechter ist als der Bausparvertrag, gilt es zu berechnen, wie hoch der zukünftige Kreditzins sein darf. Anschließend muss der Anleger/Kreditnehmer für sich entscheiden, für wie sicher er es erachtet, dass dieser Zins nicht überschritten wird.

Wir haben das Beispiel mit Excel nachgerechnet und stellen es »hier zu Verfügung.

[18.09.13]
Die wahre Rendite eines Sechsprozenters
[»Handelsblatt vom 26.8.13]
Alte Bundesanleihen mit relativ hohen Zinssätzen notieren derzeit zu hohen Kursen, die allerdings bis zum Laufzeitende auf den Nominalwert sinken. Es stellt sich die Frage, ob die hohen Kursgewinne durch einen jetzigen Verkauf die zukünftig wegfallenden hohen Zinserträge (über)kompensieren.

Für Anleger, die die Anleihen vor der Einführung der Zinsabschlagsteuer im Jahr 2009 gekauft haben, sind die Kursgewinne steuerfrei. Die Zinsen unterliegen seit 2009 der Zinsabschlagsteuer, dem Solidaritätszuschlag und ggfs. der Kirchensteuer. Am Beispiel einer Bundesanleihe zeigt Gertrud Hussla, dass es sinnvoll ist, die Anleihe jetzt zu verkaufen, statt bis zur Fälligkeit zu warten: denn wegen der Steuerfreiheit des Kursgewinns wird die Rendite nämlich negativ.

Wir haben das Beispiel mit Excel nachgerechnet und herausgefunden, dass der Verkauf auch dann sinnvoll sein kann, wenn der Kursgewinn versteuert werden muss, da die Rendite beim Halten bis zur Fälligkeit zwar nicht negativ, aber doch sehr gering ist - der Preis für die Sicherheit der Anlage.

»Hier können Sie das kommentierte Beispiel herunterladen und eigene Berechnungen anstellen.


Handelsblatt-Depots - analysiert
Als langjährige Handelsblatt-Leser verfolgen wir auch aufmerksam die Rubrik "Depots". In loser Folge werden wir auf dieser Seite Finanzprodukte erklären und interpretieren, die die Handelsblatt-Redakteure in ihren Depots halten.
[16.05.13]  » Strategie mit Bonuszertifikaten
[27.06.13]  » Strategie mit Discountoptionen
[30.07.13]  » Strategie mit Sprintzertifikat

[16.05.13]
Lebensversicherungen - Wie wird die Rendite berechnet?
Im Handelsblatt vom 23.4.13 wird ein Vergleich der Ablaufrenditen von Lebensversicherungen gezogen (»"Renditeschub am Vertragsende"). Wir haben uns gefragt, wie diese Zahlen zustande gekommen sind und mit Excel nachgerechnet.

Dabei sind wir mit den gleichen Annahmen zu den gleichen Ergebnissen gekommen. Wir haben sogar höhere Renditen errechnet, wenn wir die Annahme von jährlichen Zahlungen zugunsten der eher üblichen monatlichen Beitragszahlung aufgegeben haben.

»Hier können Sie die Berechnungen nachvollziehen und eigene Berechnungen anstellen, indem Sie Ihre Beitragszahlungen und Auszahlung eingeben.

[04.06.12]
Cross-Currency-Zinsswaps
Der Vertrieb von Cross-Currency-Zinsswaps über Sparkassen stand zuletzt in der Kritik, weil (geschädigte) Anleger und deren Anwälte davon ausgingen, dass eher dem Allgemeinwohl verpflichtete Sparkassen ihnen keine "hochkomplexen" und damit sehr riskanten Produkte verkaufen (dürften).

Dazu folgende Anmerkungen:
1. ein Swap - insbesondere ein "plain vanilla cross currency swap" gehört nicht zu den komplexen Finanzinstrumenten, da die Bedingungen beim Abschluss vorliegen und der Wert nachgerechnet werden kann.

2. Swapgeschäfte werden im Allgemeinen und im Besonderen von Banken zur Absicherung von eingegangenen Risiken abgeschlossen. Wenn ein Kunde ein solches Geschäft nicht zur Absicherung abschließt (in dem kritisierten Fall sollte ein Cross-Currency-Swap zur Einsparung von Zinszahlungen dienen), dann handelt es sich um eine Spekulation, also den Aufbau von Risiko. Devisenkurse sind ebenso wie bspw. Aktienkurse dem Marktrisiko ausgesetzt.

3. Bereits mit einer Excel-Tabelle könnte das Risiko eines Cross-Currency-Swaps (bspw. der steigende Wechselkurs des Franken gegenüber dem Euro) sichtbar gemacht werden.

Wir haben dazu ein »Beispiel aus einem Artikel, der in den "Betriebswirtschaftlichen Blättern" (der Sparkassen-Zeitschrift) bereits 2003 erschien ("Modernes Zins- und Währungsmanagement mit Cross Currency Swaps", Heft 8/2003, S. 392ff), anhand einer solchen Tabelle (ohne Berücksichtigung von Zeitwerteffekten) nachgebaut. Daraus lässt sich das Risiko von Wechselkursänderungen gut erkennen.
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