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So funktionieren Reverse Capped Bonuszertifikate


Grundlagen und Funktionsweise

Ein Reverse Bonuszertifikat funktioniert genau entgegengesetzt wie ein einfaches Bonuszertifikat, d.h. es gibt eine Bonuszahlung, wenn der Kurswert des Underlyings bis zur Fälligkeit ein oberes Sicherheitslevel nicht überschritten hat. Der Anleger setzt damit eher auf stagnierende oder fallende Kurse. Eine detaillierte Beschreibungen zu einfachen Bonuszertifikaten findet man unter »So funktionieren Bonuszertifikate.

Am Ende der Laufzeit gibt es zwei Auszahlungsmöglichkeiten :
a) Wurde das Sicherheitslevel während der Laufzeit berührt oder überschritten, wird bei Fälligkeit die Differenz zwischen einem vorgegebenen Maximalkurs (Reverselevel) und dem Kurs des Underlyings (ggfs. multipliziert mit einem vorgegebenen Verhältnis, z.B. bei einem Index als Underlying) gezahlt - auch wenn der Kurs dann möglicherweise wieder unter die obere Barriere (Sicherheitslevel) gefallen ist.

b) Wenn der Kurs des Basiswerts den Sicherheitslevel während der Laufzeit nicht berührt oder unterschreitet, wird am Ende der Laufzeit der Bonusbetrag = Reverselevel - Bonuslevel gezahlt. Liegt der Kurs des Underlyings bei Fälligkeit unterhalb des Bonuslevels wird die Differenz zwischen Reverselevel und Underlying-Kurs gezahlt, d.h. der Anleger profitiert 1:1 an Kursrückgängen des Basiswerts.

Bei einem Kaufpreis des Bonuszertifikats, der innerhalb der Bandbreite liegt, ist der Anleger gegen eine Kurssteigerung bis zum Sicherheitslevel abgesichert, d.h. der Bonusmechanismus im Bereich der Bandbreite wirkt wie ein Puffer. Stärkere Kurssteigerungen können zu einem Durchbrechen des Sicherheitslevels und damit zu Verlusten führen.

Da ein Reverse Bonuszertifikat rechtlich gesehen ein Schuldscheindarlehen der emittierenden Bank darstellt, besteht ein Totalverlust-Risiko, wenn der Emittent insolvent wird (Emittentenrisiko). Dieser Fall trat beispielsweise bei der Pleite der Lehman-Bank ein.

Produktstruktur/Konditionen

Das Reverse Bonuszertifikat ist ein strukturiertes Produkt und in dieser Form die Kombination aus

1. dem Kauf eines Puts, dessen Wert sich entgegengesetzt zum Kurs des Underlying verhält
2. dem Kauf einer europäischen Kaufoption (Up and Out Call), die für den Bonus sorgt.

Die Put Option gibt dem Inhaber das Recht, das Underlying zu einem bestimmten Preis (Basispreis, Strike) zu verkaufen. Der Wert einer Put Option verläuft ab dem Basispreis nach unten entgegengesetzt zu dem des Underlyings. Der Basispreis dieser Put-Option wird in doppelter Höhe von einem Referenzpreis (Startpreis) festgelegt und wird als Reverselevel bezeichnet.

Der Up and Out Call bietet dem Inhaber das Recht, bei Fälligkeit das Underlying zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Dieser Call hat einen Wert, wenn der Kurs des Underlyings über den Basispreis des Calls steigt. Im Vergleich mit einem einfachen Call besitzt der Up and Out Call aber eine Schwelle, die dieses Kaufrecht sofort wertlos beendet (out), wenn sie einmal während der Laufzeit berührt oder überschritten (up) wird, die Knockout-Schwelle. Dann gibt es auch keinen Bonus mehr.
Deshalb sorgt diese Option im Bereich zwischen ihrem Basiswert (in diesem Fall der Bonuslevel) und der Knockout-Schwelle (=Sicherheitslevel) für den Bonusbetrag
Wenn der Kurs des Underlyings über den Basispreis des Calls steigt, bleibt deshalb die Differenz zwischen Underlying und Call gleich. Sie dient damit als Absicherung gegen eine Kurssteigung und gewährt den Bonusbetrag. Eine detaillierte Beschreibung zu Optionen findet man unter »So funktionieren Optionen.

Bei der Emission wird der Sicherheitslevel meist 20 bis 40 % unterhalb, der Bonuslevel 10 bis 30 % oberhalb des Startpreises festgelegt.

Vereinfacht dargestellt ergibt sich der Preis des Reverse Bonus-Zertifikats auf eine Aktie damit aus:

Kurs Bonus-Zertifikat = Put-Option- abgezinste Dividende + Optionsprämie Up and Out Call

Die Bandbreite des Capped Bonuszertifikats wird von einem Parameter der Put-Option und den zwei Parametern der Up and Out Call-Option bestimmt:
- Der Basispreis der Put-Option ist der Reverselevel
- Die Up and Out Call-Option ist - im Gegensatz zu einer einfachen Call-Option - eine Kaufoption, die wertlos verfällt, wenn eine bestimmte Obergrenze (Knockout-Schwelle) des Underlying-Kurses erreicht wird. Beim Reverse Bonuszertifikat ist diese Knockout-Schwelle die Höhe des Sicherheitslevels.
- Der Basispreis (Strike) der Up and Out Call-Option ist die Höhe des Bonuslevels des Bonuszertifikats
Da die Up and Out Call-Option sich wegen der Knockout-Schwelle während der Laufzeit in Bezug auf Veränderungen von Basiskurs, Laufzeit und Volatilität nicht wie eine einfache (Plain Vanilla) Option verhält, wirkt sich dies auch auf den Wert des Reverse Bonuszertifikats aus. Das wird weiter unten bei der Bewertung vor der Fälligkeit mit einer interaktiven Grafik anschaulich dargestellt.

Durch die Auswahl des Bonus- und des Sicherheitslevels kann jeder Anleger seine persönliche Markterwartung umsetzen. Je nach Höhe von Sicherheitslevel und Bonuslevel kann er das Risiko einer (leichten) Kurssteigerung abfedern und trotzdem von Kursrückgängen profitieren. Kurz gesagt: je weiter der Sicherheitslevel oberhalb des aktuellen Underlying-Kurses desto mehr Sicherheit, je näher am Underlying-Kurs desto höhere Renditechancen.

Anwendung

Reverse Bonuszertifikate sind besonders attraktiv in Seitwärtsphasen (leicht fallend bzw. leicht steigend). In stark fallenden Phasen (also bei hoher Volatilität) ist die Up and Out Call-Option billiger und kann damit für attraktive Bonus-/Sicherheitslevel sorgen. Außerdem wird der Anleger 1:1 an den Kursrückgängen beteiligt, wenn der Kurs des Underlying unter dem Bonuslevel liegt. Hohe Dividendenrenditen ermöglichen ebenfalls einen günstigen Preis für Reverse Bonuszertifikate. Anleger sollten sich aber bewusst sein, dass bei starken Kurssteigerungen die Sicherheitslevel durchbrochen werden können und zu höheren Verlusten wie im Basiswert führen, da Reverse Bonuszertfikate mit einem Aufschlag emittiert werden, wenn die Dividende nicht für die Finanzierung des Up and Out Calls ausreichen.

Analyse

Aus der Produktstruktur ergibt sich der Wert des Reverse Bonuszertifikats während und am Ende der Laufzeit.

Am Ende der Laufzeit (Restlaufzeit = 0) spielen Volatilität, Zinssatz und Dividende keine Rolle mehr, ganz im Gegensatz zu einem Bewertungszeitpunkt während der Laufzeit. Damit ist das Payoff- und entsprechend auch das Profit/Loss-Profil ein Spezialfall der Bewertung.

Bewertung bei Fälligkeit: Payoff-Profil


Der Payoff gibt den Auszahlungsbetrag am Laufzeitende an:

a) Wurde der Sicherheitslevel während der Laufzeit nicht berührt oder unterschritten, wird bei einem Underlying-Kurs unterhalb des Bonuslevels die Differenz zwischen Reverselevel und Underlying-Kurs ausgezahlt, bei einem Underlying-Kurs zwischen Bonus- und Sicherheitslevel die Differenz zwischen Reverse- und Bonuslevel (blaue Linie).

b) Wurde der Sicherheitslevel während der Laufzeit berührt oder überschritten, wird die Differenz zwischen Reverselevel und Underlying-Kurs ausgezahlt (rote Linie).

 

Bewertung bei Fälligkeit: Profit/Loss-Profil


Der Gewinn/Verlust bei Fälligkeit ist die Differenz zwischen dem Auszahlungsbetrag und dem Kaufpreis für das Reverse Bonuszertifikat.

a) Wurde der Sicherheitslevel nicht unterschritten tritt ein Verlust nur ein, wenn der Kaufpreis höher als das Bonuslevel war.
b) Wurde der Sicherheitslevel unterschritten, ist der Gewinn/Verlust die Differenz zwischen Kurs Underlying (max. Höchstbetrag) und Kaufpreis des Zertifikats.
Der maximale Gewinn wird damit begrenzt .


Bewertung vor Fälligkeit

Bislang hatten wir die (einfache) Sicht per Fälligkeit: wie verhält sich der Wert des Reverse Bonuszertifikats aber während der Laufzeit? Dazu müssen die Bestandteile dieses Bonuszertifikats einzelnen bewertet und danach addiert werden:

1. Der Wert des Underlyings ist der aktuelle Kurs.
2. Die Dividendenrendite wird als Quotient gerechnet: Dividende/aktueller Kurs des Underlyings.
3. Die Option wird mit Hilfe eines Modells bewertet (tiefer gehende Einblicke in die Welt der Optionsbewertung finden Sie unter So funktionieren Optionen).

Durch Ziehen der Schieber wird der unterschiedliche Einfluss der verschiedenen Parameter auf den Kurs des Reverse Bonuszertifikats - hier am Beispiel eines Aktien-Underlyings - deutlich:

- Kurssteigerungen des Underlyings erhöhen den Preis des Bonuszertifikats.
- Höhere Dividendenzahlungen vermindern den Wert des Bonuszertifikats.

Der Einfluss von Laufzeit und Volatilität auf die Up and out Call-Option ist abhängig vom Abstand des Underlying-Kurses zum Sicherheitslevel. Bei einem geringen Abstand gilt ein vom einfachen Call abweichendes Verhalten:
- Längere Laufzeiten: mindern den Wert der Up and Out Call-Option. Dies führt zur Verbilligung des Reverse Bonuszertifikats.
- Höhere Volatilitäten: mindern in der Regel den Wert der Up and Out Call-Option und führt zur Verbilligung des Reverse Bonuszertifikats.

- Der Einfluss des Zinssatzes ist relativ gering.
- Bei Fälligkeit (Restlaufzeit = 0) sind Dividende, Volatilität und Zinssatz 0. .



Hinweise zur Berechnung

Der an der Börse gehandelte Kurs des Capped Bonuszertifikats wird in der Regel von diesem theoretischen Kurs mehr oder weniger abweichen, da die Emittenten möglicherweise Gebühren/Marge aufschlagen, das Emittentenrisiko einpreisen oder anders rechnen (andere Modelle, andere Parameter). Der theoretische Kurs gibt aber einen guten Vergleichswert. Die Anwendung der Optionspreisformel setzt u.a. einen vollkommenen, arbitragefreien Markt voraus (tiefer gehende Informationen zur Optionspreisberechnung finden Sie unter So funktionieren Optionen). Da dies in der Realität nur annäherungsweise gegeben ist, kann nur ein theoretischer Wert errechnet werden, der nicht mit dem tatsächlichen, an der Börse gehandelten, Kurs übereinstimmen muss. Er gibt aber einen guten Anhaltspunkt für den Wert eines Reverse Bonuszertifikats.


Erläuterungen und Interpretation:
theoretischer Kurs Reverse Bonuszertifikat = Preis Put + Preis Up and Out Call Option
Dividende = Dividendenrendite * Kurs Underlying
Abstand Sicherheitslevel = (Kurs Underlying - Sicherheitslevel) -> wenn der Kurs des Underlying mindestens um diesen Wert steigt, geht der Bonus verloren
Abstand Sicherheitslevel in % = (Kurs Underlying - Sicherheitslevel)/Kurs Underlying -> wenn der Kurs des Underlying mindestens um diesen Prozentsatz steigt, geht der Bonus verloren
Bonusrendite = ( Bonuslevel - theoretischer Kurs]/theoretischer Kurs -> das ist die Rendite, die beim Kauf des Reverse Bonuszertifikats zum theoretischen Kurs erzielt werden kann, wenn der Kurs des Underlyings bei Fälligkeit zwischen Sicherheitslevel und Bonuslevel liegt und der Sicherheitslevel während der Laufzeit nicht berührt oder überschritten wurde;
Bonusrendite p.a. = Bonusrendite auf ein Jahr berechnet
Abstand Bonuslevel = Bonuslevel - Kurs Underlying -> erst wenn der Kurs des Underlyings um diesen Wert sinkt, wird die Auszahlung über dem Bonuslevel liegen und die Bonusrendite übertroffen
Abstand Bonuslevel in % = (Bonuslevel - Kurs Underlying)/Kurs Underlying -> erst wenn der Kurs des Underlyings um diesen Prozentsatz sinkt, wird die Auszahlung über dem Bonuslevel liegen
Bonuszahlung = (Reverselevel - Bonuslevel)
Bonusertrag = Bonuszahlung - theoretischer Kurs des Reverse Bonuszertifikats
maximaler Verlust = Totalausfall = Kaufpreis = theoretischer Kurs

Hinweise zur Bedienung der interaktiven Anwendung
Wenn Sie mit der Maus über die Grafik fahren, wird die Bezeichnung der Linien angezeigt. Durch Ziehen der Schieber können die angezeigten Parameter verändert werden. Beim Anklicken des "+"-Symbols öffnet sich eine Menüleiste für den Schieber,
- bei der Werte konkret eingegeben werden können (mit einem Punkt statt Komma),
- die Animation abläuft (Play),
- die Animation in Schritten vorwärts und rückwärts bewegt werden kann,
- die Animation beschleunigt oder verlangsamt,
- und deren Richtung eingestellt werden kann.

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Dieser Zertifikate-Rechner dient zur Visualisierung von Einflussfaktoren auf die Preisbildung eines Reverse Bonuszertifikats und stellt keine Anlageempfehlung dar. Obwohl dieses Tool mit größter Sorgfalt erstellt wurde, kann für die aufgeführten Inhalte keine Gewährleistung für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Genauigkeit übernommen werden.
©2013  Dr. Siegert & Partner
Literaturhinweise:
Zagst, R./Huber, M.:
Zertifikate spielend beherr­schen,
München 2009

Pilz, G.:
Zertifikate,
München 2006

Schmidt, M.:
Derivative Finanzinstrumen­te,
3. Aufl.,  München 2006

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