Aschaffenburg - Blick auf Main und Pompejanum

So funktionieren Discountzertifikate


Grundlagen und Funktionsweise


Mit Discount-Zertifikaten können Anleger (dargestellt wird im Folgenden die Sicht eines "Investors") unter Gewährung von Rabatt (Discount) an der Kursbewegung eines bestimmten Basiswerts (Underlying; z.B. Aktien, Indizes) teilhaben. Das bedeutet, dass das Zertifikat bei der Emission zum aktuellen Preis des Basiswertes abzüglich des gewährten Discounts angeboten wird. Daher kann der Anleger auch bei leicht fallenden Kursen des Basiswertes immer noch einen Gewinn erzielen, aber nur solange dessen Kurs oberhalb des Zertifikatspreises liegt, d.h. der Discount bietet einen Puffer gegen fallende Kurse. Als Ausgleich für diesen Preisabschlag ist die Teilhabe des Anlegers an der Wertentwicklung des Basiswertes und dadurch sein Gewinn durch einen Deckel (Cap) nach oben begrenzt.

Da ein Discountzertifikat rechtlich gesehen ein Schuldscheindarlehen der emittierenden Bank darstellt, besteht ein Totalverlust-Risiko, wenn der Emittent insolvent wird (Emittentenrisiko). Dieser Fall trat beispielsweise bei der Pleite der Lehman-Bank ein.

Produktstruktur/Konditionen

Ermöglicht wird der gewährte Discount bei einem Discount-Zertifikat im Vergleich zu einer Direktinvestition einerseits durch den Verzicht auf Dividendenzahlungen. Zusätzlich wird der Rabatt durch den Verkauf einer Call-Option (Short Call) finanziert. Die hierdurch erzielte Optionsprämie vereinnahmt der Inhaber des Discount-Zertifikats ebenfalls über den im Vergleich zum Basiswert reduzierten Kaufkurs des Zertifikats.

Vereinfacht dargestellt ergibt sich der Preis des Discount-Zertifikats auf eine Aktie damit aus:

Kurs Discount-Zertifikat = Kurs Aktie - Dividendenbarwert Aktie - Optionsprämie Call

Der Ausübungspreis der verkauften Option (Basispreis, Strike) bestimmt sowohl die Höhe der zu vereinnahmenden Prämie als auch den Cap bzw. Höchstrückzahlungsbetrag.

Eine Call-Option, deren Basispreis im Geld ist (Basispreis < Kurs Underlying) hat einen inneren Wert und damit einen höheren Preis als eine Option, die aus dem Geld ist (Basispreis > Kurs Underlying), d.h. im ersten Fall ist der Discount und damit der Risikopuffer größer, im zweiten Fall der Höchstrückzahlungsbetrag und damit die Rendite.

Durch die Auswahl des Caps kann jeder Anleger seine persönliche Markterwartung umsetzen. Rechnet er mit  fallenden (steigenden) Kursen wird er ein Zertifikat mit einem Cap wählen, der niedriger (höher) ist als der aktuelle Kurs des Underlying. Kurz gesagt: ein Basispreis unterhalb des aktuellen Underlying-Kurses bietet mehr Sicherheit, ein Basispreis oberhalb höhere Renditechancen.

Anwendung

Discount-Zertifikate sind besonders attraktiv in Phasen hoher Volatilitäten (Kursschwankungen des Basiswerts), die oft nach starken Kurseinbrüchen zu beobachten sind. Dann nämlich lassen sich durch den Verkauf der Call-Option besonders hohe Optionsprämien vereinnahmen und die Preisabschläge bei Discount-Zertifikaten sind in der Regel besonders attraktiv. Durch die Optionskomponente kann der Kurs des Discount-Zertifikats während der Laufzeit von der Entwicklung des Basiswerts abweichen. Kommt es bspw. zu einem Rückgang der Volatilitäten, kann der Preis des Discount-Zertifikats steigen, ohne dass sich der Basiswert bewegt.

Analyse

Aus der Produktstruktur ergibt sich der Wert während und am Ende der Laufzeit.

Am Ende der Laufzeit (Restlaufzeit = 0) spielen Volatilität, Zinssatz und Dividende keine Rolle mehr, ganz im Gegensatz zu einem Bewertungszeitpunkt während der Laufzeit. Damit ist das Payoff- und entsprechend auch das Profit/Loss-Profil ein Spezialfall der Bewertung.

Bewertung bei Fälligkeit: Payoff-Profil


Der Payoff gibt den Auszahlungsbetrag am Laufzeitende an: er entspricht dem Kurs des Underlying, höchstens aber dem Cap.

Der Verlauf kommt dadurch zustande, dass bei einem Kurs des Underlying unterhalb des Basispreises die Option nicht ausgeübt würde, sie also keinen Wert hat. Die Zahlung entspricht dann dem Kurs des Underlying (grün gestrichelte Linie). Bei einem Kurs oberhalb des Basispreises hätte die Option einen inneren Wert von (Kurs-Basiswert) und würde ausgeübt. Da die Option verkauft wurde (short ist), muss bei der Ausübung das Underlying zum Basispreis verkauft werden. Es entsteht eine negative Zahlung in Höhe der Differenz aus Kauf des Underlying zum aktuellen Kurs und Verkauf zum Basiswert (entspricht dem inneren Wert - rot gestrichelte Linie). Diese muss von der Zahlung des Kurses des Underlying abgezogen werden, das Ergebnis entspricht dann genau dem Cap.

 

Bewertung bei Fälligkeit: Profit/Loss-Profil


Der Gewinn/Verlust bei Fälligkeit ist die Differenz zwischen dem Auszahlungsbetrag und dem Kaufpreis (Kurs des Underlyings - Dividende - Call-Optionsprämie) für das Discount-Zertifikat. Ein Verlust bei sinkendem Kurs wird erst erreicht, wenn der Kurs in Höhe des Discounts gefallen ist, d.h. der Discount fungiert als ein Puffer. Der maximale Gewinn wird durch den Cap begrenzt (= Cap - Kaufkurs des Zertifikats).



Bewertung vor Fälligkeit

Bislang hatten wir die (einfache) Sicht per Fälligkeit: wie verhält sich der Wert des Discountzertifikats aber während der Laufzeit? Dazu müssen die Bestandteile des Discountzertifikats einzelnen bewertet und danach addiert werden:

1. Der Wert des Underlyings ist der aktuelle Kurs.
2. Die Dividendenrendite wird als Quotient gerechnet: Dividende/aktueller Kurs.
3. Die Option wird mit Hilfe eines Modells - hier mit dem Black Scholes-Modell - bewertet (tiefer gehende Einblicke in die Welt der Optionsbewertung finden Sie bei unserem Optionspreisrechner).

Der an der Börse gehandelte Kurs wird in der Regel von diesem theoretischen Kurs mehr oder weniger abweichen, da die Emittenten möglicherweise Gebühren/Marge aufschlagen, das Emittentenrisiko einpreisen oder anders rechnen (andere Modelle, andere Parameter). Der theoretische Kurs gibt aber einen guten Vergleichswert.

Durch Ziehen der Schieber wird der unterschiedliche Einfluss der verschiedenen Parameter auf den Kurs des Zertifikats - hier am Beispiel eines Aktien-Underlyings - deutlich:

- Je höher die Volatilität und je länger die Restlaufzeit, desto höher ist der Preis der Short-Option und damit desto größer der Discount und desto niedriger der Kurs des Discountzertifikats.
- Dividendenzahlungen erhöhen einerseits den Discount, vermindern andererseits aber den Kurswert der Aktie und damit auch den Wert der Kaufoption.
- Der Einfluss des Zinssatzes ist relativ gering.
- Bei Fälligkeit (Restlaufzeit = 0) ist die Dividende = 0 und die Volatilität = 0.



Hinweise zur Berechnung

Die Anwendung der Optionspreisformel setzt u.a. einen vollkommenen, arbitragefreien Markt voraus (tiefer gehende Informationen zur Optionspreisberechnung finden Sie bei unserem Optionspreisrechner). Da dies in der Realität nur annäherungsweise gegeben ist, kann nur ein theoretischer Wert errechnet werden, der nicht mit dem tatsächlichen, an der Börse gehandelten Kurs übereinstimmen muss. Er gibt aber einen guten Anhaltspunkt für den Wert eines Discountzertifikats.

Erläuterungen:
theoretischer Kurs Discountzertifikat = Kurs Underlying - Dividende - Call-Option
Dividende = Dividendenrendite * Kurs Underlying
Abstand Cap = (Cap - Kurs Underlying) / Kurs Underlying -> um diesen Prozentsatz muss der Kurs des Underlyings steigen, um das Cap zu erreichen
Discount = Dividende + Preis der Call-Option
Discount in % = Discount / Kurs -> um diesen Prozentsatz darf der Kurs des Underlyings bei Fälligkeit fallen, ohne dass ein Verlust auftritt
Seitwärtsrendite (Kurs bei Fälligkeit = aktueller Kurs unterhalb des Cap) = Discount/theoretischer Kurs -> das ist die Rendite, wenn der Kurs bei Fälligkeit der gleiche ist wie aktuell
Seitwärtsrendite p.a. = Seitwärtsrendite auf ein Jahr berechnet
maximale Rendite (Kurs bei Fälligkeit = Cap) = (Cap-theoretischer Kurs) / theoretischer Kurs -> das ist die Rendite, wenn der Kurs bei Fälligkeit auf oder über dem Cap notiert
maximale Rendite p.a. = maximale Rendite auf ein Jahr berechnet
maximaler Verlust = Kaufpreis = theoretischer Kurs
Outperform bis: bis zu diesem Kurs liegt die Performance des Zertifikats über dem des Underlying -> wenn der Kurs bei Fälligkeit darüber liegt, war es profitabler, das Underlyinggekauft zu haben

Hinweise zur Bedienung der interaktiven Anwendung

Wenn Sie mit der Maus über die Grafik fahren, wird die Bezeichnung der Linien angezeigt. Durch Ziehen der Schieber können die angezeigten Parameter verändert werden. Beim Anklicken des "+"-Symbols öffnet sich eine Menüleiste für den Schieber,
- bei der Werte konkret eingegeben werden können (mit einem Punkt statt Komma),
- die Animation abläuft (Play),
- die Animation in Schritten vorwärts und rückwärts bewegt werden kann,
- die Animation beschleunigt oder verlangsamt,
- und deren Richtung eingestellt werden kann.

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Dieser Zertifikate-Rechner dient zur Visualisierung von Einflussfaktoren auf die Preisbildung eines Discountzertifikats und stellt keine Anlageempfehlung dar. Obwohl dieses Tool mit größter Sorgfalt erstellt wurde, kann für die aufgeführten Inhalte keine Gewährleistung für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Genauigkeit übernommen werden.
©2013  Dr. Siegert & Partner
Literaturhinweise:
Zagst, R./Huber, M.:
Zertifikate spielend beherr­schen,
München 2009

Pilz, G.:
Zertifikate,
München 2006

Schmidt, M.:
Derivative Finanzinstrumen­te,
3. Aufl.,  München 2006

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