Aschaffenburg - Blick auf Main und Pompejanum

So funktionieren Bonuszertifikate


Grundlagen und Funktionsweise

Bei einem Bonuszertifikat erhält der Anleger am Ende der Laufzeit einen festen Betrag (Bonusbetrag), wenn der Kurs des entsprechenden Underlyings (z.B. Aktien, Index, Rohstoff) während der Laufzeit eine vorher bestimmte Bandbreite nicht verlassen hat. Diese Bandbreite wird durch eine untere Grenze (auch untere Barriere, Sicherheitslevel oder Absicherungsgrenze - im Folgenden Sicherheitslevel genannt) und eine obere Grenze (auch obere Barriere, Bonusniveau, Bonuslevel - im Folgenden Bonuslevel genannt). Damit kann auch in Anlageklassen investiert werden, für die ein Direktinvestment nicht möglich ist. Wir gehen im Folgenden besonders auf Bonuszertifikate auf Aktien ein.

Dabei gibt es zwei Auszahlungsmöglichkeiten am Ende der Laufzeit:
a) Wurde das Sicherheitslevel während der Laufzeit berührt oder unterschritten, wird bei Fälligkeit der Kurs der Basiswerts gezahlt - auch wenn der Kurs dann möglicherweise wieder über die Barriere gestiegen ist.
b) Wenn der Kurs des Basiswerts das Sicherheitslevel während der Laufzeit nicht berührt oder unterschreitet, wird am Ende der Laufzeit der Bonusbetrag = Bonuslevel gezahlt. Liegt der Kurs des Underlyings bei Fälligkeit oberhalb des Bonuslevels, wird der Kurswert ausgezahlt, d.h. der Anleger nimmt 1:1 an Kurssteigerungen des Basiswerts teil.

Bei einem Kaufpreis des Bonuszertifikats, der innerhalb der Bandbreite liegt, ist der Anleger gegen einen Kursrückgang bis zum Sicherheitslevel abgesichert, d.h. der Bonusmechanismus im Bereich der Bandbreite wirkt wie ein Puffer. Beim Durchbrechen des Sicherheitslevels bei größeren Kursrückgängen entstehen aber Verluste.

Da ein Bonuszertifikat rechtlich gesehen ein Schuldscheindarlehen der emittierenden Bank darstellt, besteht ein Totalverlust-Risiko, wenn der Emittent insolvent wird (Emittentenrisiko). Dieser Fall trat beispielsweise bei der Pleite der Lehman-Bank ein.

Produktstruktur/Konditionen

Das Bonuszertifikat ist ein strukturiertes Produkt und  in der einfachen Form die Kombination aus dem Kauf des Underlyings und dem Kauf einer europäischen Verkaufsoption, einem Down and Out Put. Der Inhaber einer Verkaufsoption hat das Recht, das Underlying am Laufzeitende zu einem vorher bestimmten Preis (Basispreis) zu verkaufen. Damit sichert er sich gegen Kursrückgänge ab. Anders als bei einem »einfachen Put besitzt der Down and Out Put eine Schwelle, die das Verkaufsrecht sofort wertlos beendet (out), wenn sie einmal während der Laufzeit berührt oder unterschritten (down) wird, die Knockout-Schwelle.

Gegenüber einer Direktinvestition verzichtet der Käufer eines Zertifikats auf die Dividende, sodass diese bei der Preisberechnung (in abgezinster Form) abgezogen wird.

Der Emittent bildet dies nach, indem er einen sogenannten Zero-Strike-Call auf das Underlying kauft. Der Name dieser Kauf-Option geht zurück auf den Basispreis (Strike) in Höhe von 0 Euro. Der Kurs der Option verhält sich annähernd wie der Kurs des Underlying, da die Option ja immer im Geld ist. Da sie aber keinen Dividendenanspruch hat, ist im Kurs die abgezinste Dividende implizit enthalten. Damit entspricht der Wert der Option dem Wert des Underlying abzüglich der abgezinsten Dividende.

Mit dieser Dividende wird die Down and Out Put-Option finanziert. Wenn der Preis der Put-Option höher ist als die Dividende, wird der Preis des Bonuszertifikats höher sein als der Preis des Underlyings, er hat einen sogenannten Aufschlag. Dadurch können beim Durchbrechen des Sicherheitslevels höhere Verluste entstehen als bei der Direktinvestition in das Underlying.

Bei der Emission wird der Sicherheitslevel meist 20 bis 40 % unterhalb, der Bonuslevel 10 bis 30 % oberhalb des Underlying-Kurses festgelegt. Komplexere Bonuszertifikate ziehen bspw. noch eine Auszahlungsobergrenze (Cap) ein, d.h. das Zertifikat nimmt dann nur bis zu einer bestimmten Grenze an Kurssteigerungen des Underlyings teil. Diese Renditebeschränkung wird durch einen geringeren Kaufpreis kompensiert. Im Folgenden wird nur das einfache Bonuszertifikat dargestellt.

Vereinfacht dargestellt ergibt sich der Preis des Bonus-Zertifikats auf eine Aktie damit aus:

Preis Bonus-Zertifikat = Kurs Aktie - abgezinste Dividende + Optionsprämie Down and Out Put

Die Bandbreite des Bonuszertifikats wird von zwei Parametern der Down and Out Put-Option bestimmt:

- Die Down and Out Put-Option ist - im Gegensatz zu einer einfachen Put-Option - eine Verkaufsoption, die wertlos verfällt, wenn eine bestimmte Untergrenze (Knockout-Schwelle) des Underlying-Kurses erreicht wird. Beim Bonuszertifikat ist diese Knockout-Schwelle die Höhe des Sicherheitslevels.

- Der Basispreis (Strike) der Down and Out Put-Option ist die Höhe des Bonuslevels des Bonuszertifikats.

Da die Down and Out Put-Option sich wegen der Knockout-Schwelle während der Laufzeit in Bezug auf Veränderungen von Basiskurs, Laufzeit und Volatilität nicht wie eine einfache (Plain Vanilla) Option verhält, wirkt sich dies auch auf den Wert des Bonuszertifikats aus. Das wird weiter unten bei der Bewertung vor der Fälligkeit mit einer interaktiven Grafik anschaulich dargestellt.

Durch die Auswahl des Bonus- und des Sicherheitslevels kann jeder Anleger seine persönliche Markterwartung umsetzen. Je nach Höhe von Sicherheitslevel und Bonuslevel kann er das Risiko eines (leichten) Kursrückgangs abfedern und trotzdem von Kurssteigerungen profitieren. Kurz gesagt: je weiter der Sicherheitslevel unterhalb des aktuellen Underlying-Kurses desto mehr Sicherheit, je näher am Underlying-Kurs, desto höhere Renditechancen.

Anwendung

Bonus-Zertifikate sind besonders attraktiv in Seitwärtsphasen (leicht steigend bzw. leicht fallend). In stark steigenden Phasen (also bei hoher Volatilität) ist die Down and Out Put-Option billiger und kann damit für attraktive Bonus-/Sicherheitslevel sorgen. Außerdem wird der Anleger 1:1 an den Kurssteigerungen beteiligt. Hohe Dividendenrenditen ermöglichen ebenfalls einen günstigen Preis für Bonuszertifikate. Anleger sollten sich aber bewusst sein, dass bei starken Kursrückgängen die Sicherheitslevel durchbrochen werden können und wegen des Aufschlags (siehe oben) zu höheren Verlusten wie im Basiswert führen.

Analyse

Aus der Produktstruktur ergibt sich der Wert des Bonuszertifikats während und am Ende der Laufzeit.

Am Ende der Laufzeit (Restlaufzeit = 0) spielen Volatilität, Zinssatz und Dividende keine Rolle mehr, ganz im Gegensatz zu einem Bewertungszeitpunkt während der Laufzeit. Damit ist das Payoff- und entsprechend auch das Profit/Loss-Profil ein Spezialfall der Bewertung.

Bewertung bei Fälligkeit: Payoff-Profil


Der Payoff gibt den Auszahlungsbetrag am Laufzeitende an:

a) Wurde der Sicherheitslevel während der Laufzeit nicht berührt oder unterschritten, wird bei einem Underlying-Kurs unterhalb des Bonuslevels der Bonusbetrag ausgezahlt, bei einem Underlying-Kurs oberhalb des Bonuslevels der Kurs des Underlyings (blaue Linie).
b) Wurde der Sicherheitslevel während der Laufzeit berührt oder unterschritten, wird der Kurs des Underlyings ausgezahlt (rote Linie)



Bewertung bei Fälligkeit: Profit/Loss-Profil


Der Gewinn/Verlust bei Fälligkeit ist die Differenz zwischen dem Auszahlungsbetrag und dem Kaufpreis (Kurs des Underlyings - abgezinste Dividende + Put-Optionsprämie) für das Bonuszertifikat. a) Wurde der Sicherheitslevel nicht unterschritten tritt ein Verlust nur ein, wenn der Kaufpreis höher als das Bonuslevel war.
b) Wurde der Sicherheitslevel unterschritten, ist der Gewinn/Verlust die Differenz zwischen Kurs Underlying und Kaufpreis des Zertifikats.
Der maximale Gewinn wird nicht begrenzt .



Bewertung vor Fälligkeit

Bislang hatten wir die (einfache) Sicht per Fälligkeit: wie verhält sich der Wert des Bonuszertifikats aber während der Laufzeit? Dazu müssen die Bestandteile des Bonuszertifikats einzelnen bewertet und danach addiert werden:

1. Der Wert des Underlyings ist der aktuelle Kurs.
2. Die Dividendenrendite wird als Quotient gerechnet: Dividende/aktueller Kurs des Underlyings.
3. Die Option wird mit Hilfe eines Modells bewertet (tiefer gehende Einblicke in die Welt der Optionsbewertung finden Sie bei unserem Optionspreisrechner). Hier ist zu beachten, dass die Down and Out Put-Option wegen des wertlosen Verfalls an der Knockout-Schwelle andere Wertverläufe erzeugt als die einfache Put-Option. Im Gegensatz zu letzterer erhöht steigende Volatilität und Laufzeit die Wahrscheinlichkeit des Erreichens der Knockout-Schwelle und damit einen wertlosen Verfall. Dies führt zu einem niedrigeren Optionswert.

Durch Ziehen der Schieber wird der unterschiedliche Einfluss der verschiedenen Parameter auf den Kurs des Bonuszertifikats - hier am Beispiel eines Aktien-Underlyings - deutlich:

- Kurssteigerungen des Underlyings erhöhen den Preis des Bonuszertifikats.
- Höhere Dividendenzahlungen vermindern den Wert des Bonuszertifikats.
Der Einfluss von Laufzeit und Volatilität auf die Down and out Put-Option ist abhängig vom Abstand des Underlying-Kurses zum Sicherheitslevel. Bei einem geringen Abstand gilt ein vom einfachen Put abweichendes Verhalten:
- Längere Laufzeiten mindern den Wert der Down and Out Put-Option, verbilligen damit das Bonuszertifikat.
- Höhere Volatilitäten mindern in der Regel den Wert der Down and Out Put-Option und verbilligen damit das Bonuszertifikat.
- Der Einfluss des Zinssatzes ist relativ gering.
- Bei Fälligkeit (Restlaufzeit = 0) sind Dividende, Volatilität und risikofreier Zins 0.



Hinweise zur Berechnung

Der an der Börse gehandelte Kurs des Bonuszertifikats wird in der Regel von diesem theoretischen Kurs mehr oder weniger abweichen, da die Emittenten möglicherweise Gebühren/Marge aufschlagen, das Emittentenrisiko einpreisen oder anders rechnen (andere Modelle, andere Parameter). Der theoretische Kurs gibt aber einen guten Vergleichswert. Die Anwendung der Optionspreisformel setzt u.a. einen vollkommenen, arbitragefreien Markt voraus (tiefer gehende Informationen zur Optionspreisberechnung finden Sie bei unserem Optionspreisrechner). Da dies in der Realität nur annäherungsweise gegeben ist, kann nur ein theoretischer Wert errechnet werden, der nicht mit dem tatsächlichen, an der Börse gehandelten, Kurs übereinstimmen muss. Er gibt aber einen guten Anhaltspunkt für den Wert eines Bonuszertifikats.

Erläuterungen:
theoretischer Kurs Bonuszertifikat = Kurs Underlying - Dividende + Down and Out Put-Option (der Abzinsungseffekt der Dividende ist gering und wird hier vernachlässigt)

Dividende = Dividendenrendite * Kurs Underlying

Abstand Sicherheitslevel = (Kurs Underlying - Sicherheitslevel) -> wenn der Kurs des Underlying mindestens um diesen Wert sinkt, geht der Bonus verloren

Abstand Sicherheitslevel in % = (Kurs Underlying - Sicherheitslevel)/Kurs Underlying -> wenn der Kurs des Underlying mindestens um diesen Prozentsatz sinkt, geht der Bonus verloren

Bonusrendite = ( Bonuslevel - theoretischer Kurs]/theoretischer Kurs -> das ist die Rendite, die beim Kauf des Bonuszertifikats zum theoretischen Kurs erzielt werden kann, wenn der Kurs des Underlyings bei Fälligkeit zwischen Sicherheitslevel und Bonuslevel liegt und der Sicherheitslevel während der Laufzeit nicht berührt oder unterschritten wurde

Bonusrendite p.a. = Bonusrendite auf ein Jahr berechnet

Abstand Bonuslevel = Bonuslevel - Kurs Underlying -> erst wenn der Kurs des Underlyings um diesen Wert steigt, wird die Auszahlung über dem Bonuslevel liegen und die Bonusrendite übertroffen

Abstand Bonuslevel in % = (Bonuslevel - Kurs Underlying)/Kurs Underlying -> erst wenn der Kurs des Underlyings um diesen Prozentsatz steigt, wird die Auszahlung über dem Bonuslevel liegen

maximaler Verlust = Totalausfall = Kaufpreis = theoretischer Kurs -> dieser kann wegen des Aufschlags größer ausfallen als beim Direktinvestment

Hinweise zur Bedienung der interaktiven Anwendung
Wenn Sie mit der Maus über die Grafik fahren, wird die Bezeichnung der Linien angezeigt. Durch Ziehen der Schieber können die angezeigten Parameter verändert werden. Beim Anklicken des "+"-Symbols öffnet sich eine Menüleiste für den Schieber,
- bei der Werte konkret eingegeben werden können (mit einem Punkt statt Komma),
- die Animation abläuft (Play),
- die Animation in Schritten vorwärts und rückwärts bewegt werden kann,
- die Animation beschleunigt oder verlangsamt,
- und deren Richtung eingestellt werden kann.

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Dieser Zertifikate-Rechner dient zur Visualisierung von Einflussfaktoren auf die Preisbildung eines Bonuszertifikats und stellt keine Anlageempfehlung dar. Obwohl dieses Tool mit größter Sorgfalt erstellt wurde, kann für die aufgeführten Inhalte keine Gewährleistung für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Genauigkeit übernommen werden.
©2013  Dr. Siegert & Partner
Literaturhinweise:
Zagst, R./Huber, M.:
Zertifikate spielend beherr­schen,
München 2009

Pilz, G.:
Zertifikate,
München 2006

Schmidt, M.:
Derivative Finanzinstrumen­te,
3. Aufl.,  München 2006

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