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Wege aus der Falschberatung: die "zweite Meinung"

Spätestens seit der Lehman-Pleite, bei der viele Anleger mit dem unerwarteten Verlust ihrer Zertifikate konfrontiert waren und ihre Banken verklagten, ist das Thema „Falschberatung“ in den Mittelpunkt des Interesses von Verbraucherschützern und Regulierern gerückt. Letztere haben mit verschiedenen rechtlichen Schritten (Finanzmarktrichtlinie (MiFID II), Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungs-gesetz (AnsFuG)) zum Schutz der Anleger darauf reagiert.

So wurden seit 2010 Beratungsprotokolle Pflicht, die wichtige Angaben enthalten wie etwa Anlass und Dauer der Beratung, persönliche Situation und wesentliche Anliegen des Kunden, die erteilten Empfehlungen und die dafür maßgeblichen Gründe enthalten müssen. Die Pflicht zur Offenlegung von Provisionen soll mögliche Interessenkonflikte aufdecken.

Seit Juli 2011 schreiben Änderungen im Wertpapierrecht durch das Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetz das Produktinformationsblatt für Wertpapiere (PIB - Produktinformationsblatt) und Investmentfonds (KIID - Key Investor Information Document) und seit Juni 2012 für Produkte des grauen Kapitalmarkts (VIB - Vermögensanlageninformationsblatt) gesetzlich vor. Auf dem "Beipackzettel" muss über entscheidende Faktoren wie Rendite, Risiken und Kosten einer Geldanlage wahrheitsgemäß, übersichtlich und leicht verständlich informiert werden. Durch einheitliche Vorgaben soll die Vergleichbarkeit sichergestellt werden.

Ab November 2012 wird das Mitarbeiter- und Beschwerderegister bei der BaFin in Betrieb genommen, in dem der Qualifikationsnachweis für Anlageberater von Finanzdienstleistungsinstituten erbracht, sowie Beschwerden über Falschberatung erfasst werden. Dies soll zu einer besseren Beratungsqualität führen.

In seinem Artikel „»Werbeversprechen der Banken sind leere Worthülsen“ in der Online-Ausgabe der FAZ sieht der Finanzanalyst Volker Looman die Problematik differenzierter. Er stellt fest, dass Banken trotz anders lautender Werbung in erster Linie am Vertrieb ihrer Produkte interessiert sind und weniger an der Beratung.

Er konstatiert aber auch, dass Anleger aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage oder gewillt sind, sich selbst über ihre finanzielle Situation, Ziele und Risikoeinstellung klar zu werden und diese mit entsprechendem Zeitaufwand einem Bankberater in einem Beratungsgespräch offenzulegen.

Da finanzielle Risiken genauso Existenz bedrohend sein können wie gesundheitliche Risiken, orientiert Looman sich bei seinem Verbesserungsvorschlag am Gesundheitswesen. Hier gilt, dass der Hersteller von Medikamenten diese nicht dem Patienten verordnen darf, sondern nur ein Arzt. Dies sollte nach seiner Meinung deshalb auch für den Finanzbereich gesetzlich vorgeschrieben werden. Anlage- oder Kreditprodukte dürften zwar nach Belieben von den Herstellern (Banken, Bausparkassen, Versicherungen.) produziert aber nicht direkt an die Anleger verkauft werden, sondern nur nach Beratung („Verordnung“) durch einen Finanzexperten („Finanzarzt“).

Das Bankberatungsgespräch würde nach seinem Vorschlag durch eine „Sprechstunde“ bei einem neutralen Finanzexperten ersetzt, der keine eigenen Interessen an dem Vertrieb von Finanzprodukten hat und deshalb nur das des Kunden berücksichtigt.

Diese neutralen Finanzexperten gibt es als Honorarberater bereits. Ihre derzeit geringe Inanspruchnahme würde allerdings mit einem Zwang zur Beratung und der von Looman vorgeschlagenen Versüßung durch staatliche Förderung („Bildungsgutscheine“) wesentlich gesteigert. Ein weiterer positiver Effekt durch die erzwungene Beschäftigung mit der eigenen finanziellen Situation und der darauf aufbauenden Beratung wäre eine Verbesserung der oft bemängelten finanziellen Allgemeinbildung.

Das sehen wir genauso: auf den Kauf eines Autos wird sich besser vorbereitet als auf den Abschluss bspw. einer Lebens- oder Rentenversicherung, obwohl die langfristigen finanziellen Folgen bei letzterem viel existenzieller sein werden. Bei wichtigen gesundheitlichen Problemen verlangt der mündige Patient zunehmend nach einer fachkundigen und objektiven Information und holt deshalb die Meinung eines zweiten Arztes ein. Das gleiche sollte für den mündigen Anleger/Kreditnehmer gelten:

Unser Konzept der „zweiten Meinung“ mit der Spezialisierung auf die unabhängige Bewertung von Finanzprodukten möchte dem Anleger/Kreditnehmer die Wahl der für ihn geeigneten Produkte ermöglichen. Wir erstellen auf seinen Wunsch ein individuelles Gutachten zu Anlage- oder Finanzierungsangeboten seiner Bank. Wir erläutern klar und verständlich Chancen, aber auch Risiken und Kosten des Angebots unter Berücksichtigung der individuellen finanziellen Situation und Risikoneigung. Das schafft Wissen und Sicherheit.

DR. SIEGERT & PARTNER ist in dem Bereich Finanzprodukte schon seit Jahren tätig. Unsere Expertise beruht auf unserer wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung, langjähriger Erfahrung und nicht zuletzt stetiger Weiterbildung. Dokumentiert wird letzteres durch die erfolgreiche Ablegung anspruchsvoller zertifizierter Prüfungen. Damit erfüllen wir die gesetzlich geforderten fachlichen Qualifikationen für Anlageberater (§1 Abs 1 Satz 2 Nummer 3 WpHGMaAnzV), die auch die Mitarbeiter von Banken erfüllen müssen: Kenntnisse über Funktionsweise der Finanzinstrumente, Risiken der Finanzinstrumente und Gesamtheit aller im Zusammenhang mit den Geschäften anfallenden Kosten. Mit Artikeln in Fachzeitschriften, Lehrveranstaltungen und Schulungsmaßnahmen und nicht zuletzt den Beiträgen und Tools auf unserer Website stellen wir unsere Expertise zur Verfügung.