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Vom Umgang mit negativen Zinsen

Was bedeuten negative Zinsen?
Ein negativer Zins kann als negativer Nominalzins oder als negative Rendite auftreten. Ein negativer Nominalzins entspricht dabei dem durch den Gläubiger (statt wie normalerweise durch den Schuldner) zu zahlenden Zins. Eine negative Rendite entsteht dadurch, dass ein Anleger bei einem Finanzinstrument weniger erhält als er investiert hat. Davon zu unterscheiden ist ein negativer Realzins, der entstehen kann, wenn die Inflationsrate größer ist als die Rendite. Davon wird aber im Folgenden abgesehen.

Für Anleger in Aktien, Investmentfonds oder andere Beteiligungen, selbst für Bausparer sind negative Renditen nichts Ungewöhnliches. Für die Anlage in „sichere“ Instrumente wie Staatsanleihen schon. Wir betrachten hier die negativen Nominalzinsen und Renditen bei Staatsanleihen.

Ein Anleger, der eine Staatsanleihe mit negativer Rendite hält, bekommt - barwertig betrachtet - trotz zwischenzeitlicher Zinszahlungen und Rückzahlung am Ende der Laufzeit insgesamt weniger zurück als er für das Instrument angelegt hat. Er zahlt also dafür, dass er sein Geld (sicher) anlegen darf. Das klingt zunächst irrational.

Negative Zinsen aktuell
Negative Renditen gibt es derzeit bei der Einlage von Banken bei der EZB, aber auch bei Staatsanleihen, in Deutschland,  z.B. bei Bundesobligationen. Schuld daran ist die EZB mit ihrem negativen Zins von -0,2% für Bankeinlagen (deposit facility rate) und ihrem Kaufprogramm für Staatsanleihen. Sie tritt mit dem Kaufprogramm als Konkurrent von Banken auf, die ebenfalls (sichere) Staatsanleihen für ihr Portfolio kaufen, weil diese bei der Risikobewertung (immer noch) als risikolos eingestuft werden und nicht mit Eigenkapital unterlegt werden müssen. Diese Käufe treiben die Kurse von Staatsanleihen in die Höhe und die Rendite damit in den negativen Bereich (Den Zusammenhang zwischen Kurs und Rendite zeigt diese Excel-Tabelle).

Nun könnte man den Verlust vermeiden, indem man sein Geld nicht anlegt, sondern in bar hält. Das geht für den privaten (Klein-)Anleger, nicht aber für institutionelle Investoren oder Banken. Deren Barbestände würden nicht unters Kopfkissen passen, sondern müssten aufwändig gespeichert und abgesichert werden. Die Kosten dafür wären höher als die Verluste durch negative Zinsen. Damit wäre die Anlage in diese Staatsanleihen durchaus rational. Besser ist es aber für Banken, das Geld nicht anzulegen, sondern auszugeben, d.h. als Kredite zu verleihen und damit Investitionen oder Konsum anzukurbeln. Genau das ist auch die Absicht der Politik der EZB.

Negative Zinsen als Steuer?
 Negative Nominalzinsen können auch als eine Art von Steuer auf die Haltung von Barbeständen gesehen werden: Die staatlichen Emittenten erzielen einen höheren Preis als sie zurückzahlen müssen und streichen den Gewinn quasi wie eine Steuereinnahme ein (die Finanzverwaltung sieht das aber als Gebühren und lässt eine Verrechnung mit positiven Zinsen nicht zu).

Wie können negative Nominalzinsen modelliert werden?
Es gibt für die Zinsentwicklung verschiedene Modelle, die darauf basieren, dass Zinsen sich am Markt durch die Aktivitäten von vielen Akteuren bilden. Wenn eine einzelne Institution - wie die EZB - den Zins setzt, passen diese Modelle jedoch nicht.

Wird es negative Nominalzinsen (Kupons) bei Staatsanleihen geben?
Es wäre denkbar, eine Anleihe mit negativem Nominalzins zu emittieren. Dann müssten die Gläubiger zu jedem Zinstermin eine Zahlung leisten, statt - wie im Normalfall - eine zu erhalten. Das ist bei Staatsanleihen mit sehr vielen Gläubigern wegen des technischen Aufwands nicht praktikabel.

Es gibt aber Alternativen zu negativen Kupons:

  • der Staat begibt eine Anleihe mit einem niedrigen oder 0-Kupon (Zerobonds) und setzt den Emissionspreis über dem Nennwert an, d.h. mit einem Aufschlag zu Beginn der Laufzeit.
  • die emittierte Anleihe weist einen negativen Kupon aus, der aber erst bei der Rückzahlung in Anrechnung gebracht wird. Die Anleihe wird also unter Nennwert zurückgezahlt, d.h. mit einem Abschlag am Ende der Laufzeit.


Wir haben beispielhaft in Excel die Beziehung zwischen Nominalzinsen, Renditen und Kursen, sowie die Alternativen von negativen Nominalzinsen bei der Neuemission von Staatsanleihen dargestellt.
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