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Wo liegt der kritische Kapitalmarktzins für Krisenländer?

Im Beitrag der Börsen-Zeitung „Die Erosion der Schuldentragfähigkeit in der Eurozone“ wird dargelegt, dass der Zinssatz für 10-jährige Staatsanleihen, zu dem Krisenländer neue Mittel am Kapitalmarkt aufnehmen können („Todeszone“), nicht undifferenziert mit „deutlich über 6 %“ anzusetzen ist.

Als weitere Kriterien für die Schuldentragfähigkeit und als Erklärung, warum andere Länder trotz höherer Verschuldung (USA, Japan) niedrigere Kapitalmarktzinsen zahlen als die Euro-Krisenländer werden betrachtet:

  • die Zinsbelastung bezogen auf die Wertschöpfung (Bruttoinlandsprodukt): ein hohes BIP vergrößert die Schuldentragfähigkeit.
  • die Zinsbelastung bezogen auf die Steuereinnahmen: je höher die  Steuereinnahmen, desto besser die Schuldentragfähigkeit.
  • die durchschnittliche Laufzeit der Anleihe, also wie häufig sich ein Land refinanzieren muss, d.h. wie lange es sich Zeit mit der Finanzierung lassen kann: je länger die Laufzeit, desto geringer die Abhängigkeit von kurzfristigen Marktzinsschwankungen.
  • der Gesamtfinanzierungsbedarf (aktuelles Haushaltsdefizit plus Refinanzierung bestehender Schulden): hier soll der Fiskalpakt helfen, die Haushaltsdefizite und damit den Finanzierungsbedarf zu senken.
  • der Anteil der im Inland gehaltenen Schulden: inländische Gläubiger sind solidarischer und damit "genügsamer".
  • die Struktur der Gläubiger: Privatinvestoren sehen sich größeren Risiken ausgesetzt  (besonders nach dem griechischen Schuldenschnitt) als öffentliche Gläubiger und erwarten dafür höhere Renditen.

[Quelle: Börsen Zeitung, 21.6.12]

Einen weiteren, differenzierten Beitrag zur Zinsbelastung von Krisenstaaten liefert Wolfgang Franz, der Präsident des ZEW, unter der Überschrift "Tragfähigkeit" in seinem "Standpunkt" in der Oktober-Ausgabe der »ZEWnews.

Eine einfache Simulation zu den exponentiellen Effekten von Zinsen und Wirtschaftswachstum finden sie »hier.