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Braucht es einen TÜV für Finanzinstrumente?

In Ihrem Beitrag „Ein TÜV muss her“  [Handelsblatt vom 14.11.12] fordert die Autorin wegen der Komplexität des Finanzsystems, der daraus resultierenden ebenso komplexen Regulierung und der Finanzinnovationen, die diese Regulierung umgehen, eine Zulassungsstelle für Finanzinstrumente, die diese „.. wahlweise zulassen, an Bedingungen knüpfen oder die Welt davor bewahren“ sollte.

Ohne Umschweife:
Die Forderung der Autorin läuft auf eine planwirtschaftliche Maßnahme hinaus. Eine staatliche Stelle soll regeln, welche Produkte erlaubt werden und wer sie unter welchen Bedingungen verwenden darf. Das wäre allerdings, wie wenn man den Hammer verbieten oder seine Nutzung nur unter Auflagen erlauben würde, bloß weil man damit auch den Kopf statt eines Nagels einschlagen kann.

Mit dieser weiteren staatlichen Aufsichtsinstitution würde zudem die beanstandete regulatorische Komplexität noch weiter vergrößert, denn es müsste auch eine entsprechende Kontrolle der Einhaltung der TÜV-Entscheidungen erfolgen. Weitere Folge: die Anbieter neuer Finanzinstrumente werden in ein anderes (weniger reguliertes) Land ausweichen.

Komplexität ist per se subjektiv, abhängig von Kenntnissen und Erfahrungen. Statt als komplex angesehene Instrumente zu verbieten, ist auf hinreichend Produkt-Transparenz und notwendige Anwender-Qualifikation abzustellen.

Statt mit einer Positivliste der erlaubten Finanzinstrumente den Markt einzuschränken, sollte u. E. - zumindest in unserem Wirtschaftssystem - der Ordnungsrahmen so gesetzt werden, dass Anreize/
Sanktionen für ein risikoadäquates Verhalten sorgen. Dies wird bereits mittels der Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung der Finanzinstitute und den Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter (z.B. in den MaRisk, Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetz) unternommen. Nicht zuletzt sollte auch von dem mündigen Anleger verlangt werden, sich mit der Funktionsweise von den Finanzinstrumenten vertraut zu machen, in die er investieren will. Die Produktinformationsblätter sind ein erster Ansatz dafür, weitere Informationen sind überall im Internet zu finden, so auch »hier.