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EU-Kommission: OTC-Derivate sollen an Börsen über eine zentrale Gegenpartei gehandelt werden

Als eine Ursache der Finanzkrise gilt die Größe und mangelnde Transparenz des Marktes für OTC-Produkte (OTC: Over the Counter), d.h. für bilateral ausgehandelte Geschäfte. Da am Markt keine Informationen über die Bonität oder Absicherung eines solchen Produkts verfügbar sind, hat dies zu Misstrauen gegenüber möglichen Geschäftspartnern und letztendlich der Einstellung von neuen Geschäften geführt bis hin zu Liquiditätsengpässen der Finanzinstitute.

Die EU-Kommission hat im Oktober einen Vorschlag für eine Regulierung der OTC-Derivate an das EU-Parlament und den Europäischen Rat erstellt (EMIR European Market Infrastructure Regulation). Mit dem Ziel, die Transparenz auf den Märkten zu erhöhen und das Ausfallrisiko zu senken, hatten sich die G20-Staaten 2009 in Pittsburgh verpflichtet dafür zu sorgen, dass bis Ende 2012 alle standardisierten OTC-Derivate an Börsen bzw. elektronischen Handelsplattformen und über eine zentrale Gegenpartei (CCP Central Counterparty) abgewickelt werden. Weiterhin wird ein Transaktionsregister erstellt, an das alle OTC-Derivatekontrakte gemeldet werden müssen. Für OTC-Derivate, die nicht dieser Regulierung unterliegen, sollen höhere Eigenkapitalanforderungen gelten.

Die Einführung einer zentralen Gegenpartei soll dafür sorgen, dass die Vertragsparteien kein Kontrahentenrisiko mehr tragen müssen. Im Gegenzug verlangt die zentrale Gegenpartei Sicherheiten zur Absicherung des Kursänderungsrisikos bis zur Vertragserfüllung. Damit wird das Ausfallrisiko auf die zentrale Gegenpartei verlagert. Die Regulierung stellt aber qualitative und quantitative Anforderungen für die Zulassung als zentrale Gegenpartei und sorgt damit für eine Verringerung des Ausfallrisikos.

»Pressemitteilung der EU
»Vorschlag für die Verordnung der EU vom 20.10.2011
Im »BaFin-Journal 1/2012 findet sich eine Zusammenfassung dieses Vorschlags